Nase hoch

Es gibt Menschen, die ziehen sich zum Sterben auf ein Boot zurück. Sie wissen, dass sie nur den Horizont zu erreichen brauchen, und schon sind sie auf der anderen Seite – dort, wo es jedenfalls nicht mehr zurück geht. Manche wählen diesen Weg auch schwimmend, aber die verlieren leicht die Nerven und den Überblick. Wenn man auf einem Boot sitzt, hat man die Nase hoch. Man kann stolzer in einem Boot sterben. Wenn sie dann aber fahren und immer ungeduldiger fahren und dem Horizont immer eiliger hinterherpaddeln, entrückt sich ihnen dieser immer weiter, und sie haben es dann immer eiliger mit ihren schwarzen Paddeln, die Maschine, die vergeblich mit spitzen Nadeln zwei schwarze Nähte ins Meer näht. Dann kommt der Punkt, an dem sie sich umdrehen, und sie sehen das Ufer nicht mehr. Dann wissen sie, dass es nie einen Horizont gegeben hat, sondern immer nur die andere Seite. Das ist dann der Moment, in dem sie ihre Paddeln fortwerfen können. Die drehen langsam ab im Sog des Schaums, seufzend und dem Zwang der großen übergeordneten Welle ausgeliefert, die sie hebt und dann ins Tal sausen lässt.

13. September 2016