jodeln – Armband – Gehässigkeit – vorwärts

Gehässigkeit war schon immer ein Motor in meinem Leben. Ich habe einen Blick für die Schwächen anderer Menschen. Ich kann spüren, wenn Edelmut nur Eitelkeit ist oder wenn Feigheit vorgibt, Pfiffigkeit zu sein. Aber die Menschen mögen mich nicht. Sie geben vor, mich zu mögen, aber sie tun's nicht. Sie tun es nicht, weil ich ihre schwarze Seele zu gut kenne, und niemand mag es, entlarvt zu werden. Und wenn sie noch so sehr beteuern, dass sie mich mögen: es stimmt nicht, weil sie nicht ertragen, dass ich sie kenne. Und nach einer Weile mögen sie mich dann nicht mehr. Und dann finden sie eine fadenscheinige Erklärung und gehen. Aber ich weiß mich zu wehren, und dann sage ich ihnen, wer sie sind, und das ist es, was ich dann Gehässigkeit nenne. So geht es immerzu mit den Menschen, nur so kommen wir vorwärts, indem wir den Menschen die Wahrheit sagen, die das Nennen einer Schwäche bedeutet. Ist der Moment gekommen und die Wahrheit vorgetragen, überkommt mich große Befriedigung. Ich weiß, es ist ein einmaliges Vergnügen. Es ist der Orgasmus des Mörders, das muss ich zugeben. Wenn es getan ist, kehre ich nach Hause zurück und sitze an meinem Küchenfenster, und dann kann es vorkommen, dass mich die Freude der Genugtuung jodeln lässt. Es ist der perfekte Moment, der sich um mein Dasein schließt, wie ein köstliches Armband um eine unbefleckte Hand.

01. Dezember 2016